Warum die Kiwara-Kopje im Zoo Leipzig nichts für Seepferdchen ist

Mai 10

Zoo-süchtig Hallo Lässige(r), es war ein typischer Freitagabend. Zu dritt lungerten wir auf unserem ausgezogenen Sofa und schauten Elefant, Tiger & Co.* im Fernsehen. Die Sendung mit den News des Leipziger Zoos ist für uns seit langem ein Muss. Ich bin Zoo-Geschädigt seit ich meine Frau kennen gelernt habe. Frisch verliebt und Händchen haltend besuchten wir damals den Zoo. Mir fiel auf, dass die Bratwurst im Zoo anders schmeckt wie in meiner Thüringer Heimat. Ich glaube, in der Zoo-Bratwurst steckt eine geheime Zutat. Diese Zutat macht Zoo-süchtig. Seitdem muss ich immer wieder kommen. Mein Sohn mag Bratwurst noch mehr als ich. Auch er will immer wieder in den Zoo. Ich selber bin bei Zoo-Essen auf sächsische Linsensuppe umgestiegen. Aber scheinbar ist auch im Rezept der Linsensuppe diese Droge enthalten. Ich bleibe Zoo-süchtig. Seepferdchen-Pate Wir lagen also vor dem Fernseher und sahen, dass der neue Teil der Afrika-Savanne, die Kiwara-Kopje, eröffnet wurde. Wir entschlossen uns, am nächsten Tag diese neue Sehenswürdigkeit unseres Zoos zu begutachten. Im Zoo angekommen, besuchten wir jedoch zuerst die Seepferdchen. Seit einem halben Jahr bin ich Seepferdchen-Pate. Eine offizielle Urkunde vom Förderverein des Leipziger Zoos weist mich für 12 Monate als Pate zweier Tiere aus. Der erste Besuch nach der Ausstellung des Patentbriefes war etwas enttäuschend. Das Becken wirkte ungepflegt und wurde von nur einem Seepferdchen bewohnt. Warum trage ich ein Jahr lang die Kosten für zwei Seepferdchen, wenn es nur eins gibt? Die einzige Antwort, die mir einfiel, war die rückwärtige Tierhaltung. Der Zoo Leipzig hält viele Tiere vor den Augen der Besucher versteckt. Dafür gibt es genügend Gründe: zur Eingewöhnung, bei Krankheiten oder bei defektem Gehege. Warum meine Seepferdchen versteckt wurden, wusste ich nicht. Aber es hatte schon seinen Grund. *Werbung Beim zweiten Besuch war ich schockiert. Das Becken war leer. Keine Seepferdchen. Im ersten Moment wollte ich zum Kurator rennen, meine Patenschaft auflösen und das Geld zurück verlangen. Dann las ich den Zettel, der am Rande des Aquariums klebte: „Dieses Becken wird in Kürze neu gestaltet.“ Etwas Hoffnung keimte in mir. Ich belästigte den Kurator vorerst nicht. Beim dritten Besuch war das Becken neu eingerichtet. Meine Wut auf den Kurator wich Erleichterung und ich genoss den Anblick meiner Seepferdchen in einer schönen, sauberen...

Mehr

Passierschein A38

Mai 11

Colt Seavers und Asterix Hallo Lässiger, als ich ein Kind war, damals in den 80-er Jahren, schauten wir immer heimlich Westfernsehen. Eigentlich machte das jeder und alle wussten es. Nur darüber reden tat keiner, zumindest kein Erwachsener. Doch zweimal im Jahr – immer dann, wenn meine Klassenlehrerin zum Hausbesuch kam – erhielt ich offizielle Order meiner Eltern, ja kein Westfernsehen zu schauen. Aber das war nicht so einfach. Die Lehrerin kam immer am frühen Abend, immer genau dann, wenn auf ZDF Lee Majors als Ein Colt für alle Fälle das Böse mit tollen Stunts bekämpfte, dabei Autos zu Schrott fuhr und Kinderaugen zum Leuten brachte. Und da wir unserer Klassenlehrer eh jeden Tag berichteten, was bei Colt so alles passiert war, schien mir das Westfernseh-Verbot also unlogisch. Eine andere, tolle Sache aus dem Westfernsehen war Asterix. Dieser kleine Wicht war einfach super. Er hatte ungefähr meine Körpergröße und war schlau wie ein Fuchs. An eine Folge erinnere ich mich besonders gut: Asterix erobert Rom . Das war der Teil mit dem Passierschein A38. *Werbung Asterix ist für die Gallier so etwas wie Herkules für die Römer. Die Geschichte dieser Folge ist daher ähnlich gestrickt: Asterix und sein Spezi Obelix müssen 12 Aufgaben erfüllen. Danach erkennt Cäsar die Göttlichkeit der Gallier an, macht sie zu den Herrschern von Rom und geht mit seiner hübschen Kleopatra in Rente. Passierschein A38 Die achte der 12 Prüfungen der Gallier ist die Prüfung mit dem Passierschein A38. Dabei sollen Asterix und Obelix den besagten Passierschein aus einer bestimmten Präfektur holen, also aus einem römischen Bürgeramt. Doch bei der Präfektur handelt es sich um das Haus, das verrückt macht. Für die beiden gallischen Helden Asterix und Obelix beginnt auf der Suche nach Passierschein A38 eine bürokratische Irrfahrt. Immer wieder werden Sie von einer Behörde zur nächsten geschickt und kommen so dem Wahnsinn nahe. Der Fahrzeugschein in Leipzig Letztens habe ich ein neues Motorrad gekauft. Danach ging ich ins Technische Rathaus von Leipzig, um es anzumelden. Das Leipziger Rathaus kam mir vor wie die verrückt machende Präfektur. Und ich kam mir vor wie Asterix, der seinen Passierschein bekommen wollte. Zuerst ging ich in einen großen Warteraum. Dort teilte ich der netten Empfangsdame mein Anliegen mit. Erste...

Mehr

200 Jahre Völkerschlacht von Leipzig

Okt 27

Hallo Lässige(r), Letztes Wochenende jährte sich die Völkerschlacht bei Leipzig zum 200. Mal. Die Schlacht von 1813 war das größte Gemetzel der Weltgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt. Verschiedene Arten an die Völkerschlacht zu erinnern Nun gedenken Menschen solchen Ereignissen auf die verschiedensten Arten und Weisen an solche Ereignisse. Die einen lieber ruhig und leise mit Kerze, die anderen lieber laut mit Kanonen und Reiterei. In Markkleeberg bei Leipzig gab es eine historische Gefechtsdarstellung mit allem Pipapo, also die Kanonen-Variante. Die Veranstaltung ist zugegebenermaßen ein wenig schwierig zu werten. Auf der einen Seite ist es gelebte Geschichte. Auf der anderen Seite kann ich die Kritik derer, die eine solche Veranstaltung als Kriegstreiberei oder Kriegsverherrlichung abstempeln, auch ein wenig nachvollziehen. Zusammen mit meiner Frau war ich trotzdem da. Schlecht organisierte Veranstaltung Was ich nicht nachvollziehen konnte, ist allerdings die schlechte Organisation der Veranstaltung. Das Organisationschaos begann bereits in der Straßenbahn. Wenn sich Mensch Meier dort wie eine Ölsardine vorkam, dann kamen wir uns vor wie eine Sardine in Öl – und Korsett. Ich glaube, für Rollstuhlfahrer sowie Menschen mit Gehhilfe oder Kinderwagen blieb die Linie 11 der Leipziger Verkehrsbetriebe an diesem Tag Tabuzone. Nachdem wir uns an der Endstation in Markkleeberg aus der Sardinenbüchse befreien konnten, marschierten wir erwartungsvoll Richtung Schlachtfeld – immer der Masse nach. Doch der Marsch kam nach 200 Metern abrupt zum Stehen. Stau auf allen Wegen. Die nächste Ölsardine. Wir nahmen es gelassen und reihten uns ein. Was sollten wir auch anderes tun. So warteten wir und warteten weiter. Unser Warten wurde nur durch gelegentlich durchmarschierende Franzosen oder Sanitäter mit kollabierenden Kindern gestört. Gedränge um das Schlachtfeld Eineinhalb Stunden später hatten wir die 300 Meter geschafft und standen endlich vor dem Einlass. Nach einer kurzen Kontrolle der Eintrittskarten gingen wir auf das Veranstaltungsgelände. Dort drängten sich die Menschen an den als Absperrung dienenden Bauzäunen. Die Ölsardine ließ wieder grüßen. Voller Zuversicht gingen wir weiter. Das Gelände war schließlich einige Hektar groß und wir würden schon einen guten Platz finden. So spazierten wir vorbei an den Markkleeberg Eigenheimen, deren Besitzer Bier durch den Gartenzaun und Sitzplätze auf dem Dachfirst anboten. Ein ganz Pfiffiger hatte eine Hebebühne im Garten aufgebaut – die ganz private VIP-Lounge. Demotiviert, durstend und hungernd...

Mehr

Frühstück in Afrika

Jun 30

Hallo Lässige(r), heute habe ich eine Kurzgeschichte über Afrika für Dich. Warst Du schon einmal in Afrika? Ich nicht. Wozu auch? Wir haben im Sommer mittlerweile Temperaturen um die 40 Grad. Und unsere Jahrhunderthochwasser können locker mit dem westafrikanischen Monsun mithalten, der die Sahara mit sintflutartigen Regenfällen versorgt. Der Zoo und die Kiwara Lodge – Afrikanisches Flair in Leipzig Außerdem haben wir in Leipzig unseren Zoo mit der Kiwara Lodge. Dort sitze ich manchmal mit meiner Familie auf der Terrasse und schaue den Giraffen zu, wie sie durch die Savanne streifen. Dann greife ich zu meinen frisch gepressten Melonensaft und vergesse, dass ich mitten in Leipzig sitze. Nein, ich bin nicht mehr in Leipzig. Ich bin in Afrika! Wir brunchen und lassen es uns gut gehen. Hier gibt es alles, was zu einem guten Frühstück gehört. Unsere Teller sind voll mit frischen Eiern, knusprigen Speck und Würstchen, mit gebratenen Champignons, mit knusprigen Gebäck, frischem Obst und vielem mehr. Die Afrikanische Mittagshitze Es geht auf die Mittagsstunde zu und das Thermometer steigt; es ist kurz vorm Platzen. Langsam wird es mir ungemütlich. Dann fängt mein T-Shirt an, vor Schweiß zu tropfen. Doch die Tropfen erreichen nicht einmal den Boden, nein sie verdampft vorher. Ich kapituliere und sage zu meiner Familie „Ach, vergesst doch Afrika, viel zu heiß. Ich will lieber nach Skandinavien!“. Keine skandinavische Ecke im Zoo Wir suche nach einer skandinavischen Ecke im Zoo, finden aber keine. In Leipzig gibt es weder Eisbären noch Elche. Da zieht es sich über uns zusammen. Der westafrikanische Monsun! Mist, ich will heim nach Mitteleuropa! Der Monsun kommt Wir rennen zur Straßenbahn, das Wasser steht bereits kniehoch auf der Gasse. Mehrere Feuerwehren fahren mit Sirene an uns vorbei. Gemeinsam mit uns schwimmt eine Entenfamilie über die Straße. Wir steigen in die Straßenbahn, fahren unsere fünf Stationen und steigen wieder aus. Es hat aufgehört zu regnen. Es sind angenehme 20 Grad, frische Luft und es weht eine leichter Wind. An der Ecke prügeln sich ein Lok- und ein Red-Bull-Fan. Eine Politesse verteilt Strafzettel im Akkord und sämtliche Radfahrer tragen Helme. Endlich wieder zu Hause! Beste Grüße, dombim Teilen Hat Dir meine kleine Geschichte gefallen? Wenn ja, dann teile sie doch mit Deinen Freunden! Danke....

Mehr

Warum ich wegen Martin Luther meiner Frau am Flughafen erste Hilfe leisten musste

Okt 31

Hallo Lässige(r), Wie die Zeiten sich ändern! Als ich ein Kindergartenkind war, konzentrierte ich mich auf das Ausbilden meiner Softskills. Ich spielte fast nur mit Mädchen. Wir spielten mit Puppen und mit dem Kaufmannsladen. Wir schminkten uns und kicherten. Ich versuchte ständig, meine Softskills zu perfektionierte, und hoffte so, vom weiblichen Geschlecht einen Kuss zu bekommen. Dass es meist Prügel statt Küsse gab, hielt mich nicht im Geringsten von meinem Ziel ab. Heute ist das selbstverständlich alles anders. Die Zeiten haben sich geändert. Mein Sohn hat das natürlich bemerkt. Er ist nicht so wie ich. Er ist ein Draufgänger und technisch interessiert. Er interessiert sich für Müllautos, für Züge, für Müllautos, für die Feuerwehr, für Müllautos, für Motorräder und für … ? Genau, für Flugzeuge. Protestanten dürfen zum Reformationstag nicht arbeiten Als bravem Protestanten war mir heute das Arbeiten verboten. Es ist Reformationstag. Auch das hat sich geändert. Dank Martin Luther konnten wir so den freien Tag für einen Ausflug zum Flughafen nutzen. (Na, hast du das tolle Wortspiel bemerkt?) Abflug Leipzig – der Flughafen Der Flughafen Leipzig – Halle befindet sich mit dem Auto circa 25 Minuten von unserer Wohnung entfernt. Das hinderte meinen Sohn natürlich nicht daran, nach zwei Minuten zu fragen: „Papa, sind wir jetzt da?“. Nachdem ich die Frage gefühlte 30 Mal mit „nein“ beantwortete, folgte ein erleichtertes „ja“. Wir waren da und fanden auch relativ schnell das Parkhaus, da wir uns auf dem Gelände nur einmal verfuhren. Wir betraten den Flughafen und mein Sohn fand allerlei technische Dinge: natürlich Flugzeuge, aber auch Autos und Motorräder, die auf dem Parkplatz standen. Dazu einen Bahnhof, aber ohne Zug. Polizei und Feuerwehr gab es auch und sogar ein polnisches Honorarkonsulat. Es kam uns vor wie in einem Wimmelbuch! Das Einzige, was wir nicht fanden war ein Müllauto. Natürlich hat ein richtig guter Flughafen auch eine Aussichtsplattform. Das ist in Leipzig nicht anders. Um dorthin zu gelangen mussten wir sieben Stockwerke über eine Außentreppe klettern. Wir hätten natürlich auch den Fahrstuhl nehmen könne, was für uns aber zu einfach gewesen wäre. Nach der Hälfte der Strecke bekam meine Frau Flugangst und kehrte um. Mein Sohn und ich stiegen weiter und erreichten die Aussichtsplattform. Dort beobachteten wir den Start...

Mehr

Wie ich mit meinem Sohn ein Winterabenteuer in Leipzig bestand

Okt 28

Winter in Leipzig Fernweh Hallo Andreas, Ich verfolge fast täglich Deine Kanada-Reise. Ich lese wie gefesselt deinen Blog. Ich weiß, dass du eine tolle Reise machst, dass Dich in den Rocky Mountains der Winter überrascht hat und Du ein richtiges Winterabenteuer durchlebst. Während ich das lese, sitze ich hier in Leipzig, mitten in der Stadt und ohne Berge. Das hat ein gewisses Fernweh in mir geweckt. Also bin auch ich auf eine abenteuerliche, fiktive Reise gegangen. Eine Reise in ein Winterabenteuer. Und damit das Abenteuer richtig Spaß macht, habe ich meinen Sohn mitgenommen. Unsere Reise in das Winterabenteuer Unsere Reise begann am Abend, kurz vorm Schlafengehen. Der erste Abschnitt war eine Nachtwanderung. Es ist Ende Oktober und somit war diese Etappe gleichzeitig Training für den baldigen Martinstag. Schließlich herrscht schon in den deutschen Kindergärten eine Leistungsgesellschaft, so dass Kinder hart für ihren ersten Laternenumzug trainieren müssen. Wir nahmen also unsere Laterne und wanderten ins Gebirge. Zuerst durchquerten wir die gefährliche Tiefebene des Kinderzimmers, wo uns hinterlistige Plüschtiger fressen und Plüschhunde beißen wollten. Danach kamen wir in die Hochebene des Korridors – eine öde Laminat-Wüste. Halb verdurstet bogen wir links ab und erreichten das Gebirge der Stubencouch. Dort schlugen wir unser Nachtlager auf. Das Stubencouch-Gebirge befindet sich am Fuße der Leipzig Mountains. Die durchwanderten wir dann am nächsten Tag, einem kalten Samstag. Der Winter hatte über Nacht Einzug gehalten und es hatte geschneit. Die Leipzig Mountains befinden sich circa drei Obergeschosse über Unnormalnull (UNN) und im Winter herrscht hier ein abenteuerlich, raues Klima. Die Leipzig Mountains werden von drei großen Bergen geprägt: dem Berg Stube, dem Berg Kinderzimmer und dem Mount Küche. Wir bestiegen alle drei Gipfel, machten ein paar Fotos und gingen dann zurück zu meiner Frau. Die wartete bereits mit frischen Brötchen auf uns und dem Bericht zu unserem Winterabenteuer. Lieber Andreas, wir wünschen dir noch eine gute Reise bei deinem Winterabenteuer, dombim und Familie Und hier die Bilder unserer Reise Über Andreas Andreas ist freiberuflicher Softwareentwickler, Reisender und Freigeist. Seine Gedanken schreibt er in seinem Blog http://hartmann-schneevoigt.com/ nieder. Ich kann Dir den Blog wärmstens empfehlen Share...

Mehr