Weihnachtsgeschichte Teil 2 – Weihnachten in Schmalkalden

Dez 23

Hallo Lässige(r),

Zusammenfassung des ersten Teils meiner Geschichte zu Weihnachten

letzte Woche habe ich Dir den ersten Teil meiner Weihnachtsgeschichte erzählt. Heute erfährst Du, wie es weiter geht.

Doch zuerst eine kleine Zusammenfassung. Es ist eine DDR-Weihnachtsgeschichte und handelt in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Da lebten Joseph und Maria in Leipzig. Maria war schwanger geworden durch eine kurze Affäre mit dem Heiligen Geist.

Die Stasi hatte die beiden auf dem Kieker und wollte ihnen Weihnachten vermiesen. Unter dem Vorwand einer Volkszählung schickten sie die beiden auf den Weg nach Schmalkalden, dem Geburtsort von Joseph.

Maria und Joseph haben keinen Trabant. Also machen sie sich bei -20°C auf ihrem Motorrad auf den Weg. Am Abend erreichten sie Erfurt und finden bei einem netten Christen eine Herberge. Von dort möchten sie nun weiterreisen.

Weihnachten im Thüringer Wald

Joseph startete das Motorrad und die beiden fuhren vorsichtig durch Erfurts Straßen hinaus auf die Landstraße. Sie fuhren vorbei an romantischen Burgen und Dörfern hinein in den Thüringer Wald. Der Wald sah aus wie in einem Wintermärchen. Aber den Beiden war das vollkommen egal, denn sie froren. Es war bitterkalt.

Auf dem Rennsteig machten sie kurz Rast, wobei Maria nicht vom Motorrad abstieg. Sie war fest gefroren.

Als sie gerade ihre Reise fortsetzen wollten, sahen sie einen kleinen Jungen mit Skiern. Er trug einen kackbraunen ASK-Trainingsanzug mit gelben und roten Streifen. Er sagte sein Name sei Sven Fischer und wenn er groß ist, möchte er ein berühmter Sportler werden. Maria und Joseph wünschten ihm viel Glück, schenkten ihm noch einen Lolli und fuhren weiter.

In Schmalkalden

Schließlich kamen sie halb verhungert und halb erfroren in Schmalkalden an. Leider fanden sie dort keine bezahlbare Bleibe, sie hatten ihre Geldbörse auf der Fahrt verloren. Was für Weihnachten. Umsonst wollte sie niemand aufnehmen und so fuhren sie weiter nach Mittelstille, einem kleinen Ort ganz in der Nähe. Sie hofften auf die Hilfsbereitschaft der Leute im Dorf.

Als sie dort ankamen, klopften sie an mehrere Häuser, doch niemand wollte ihnen Unterkunft gewähren. Erst fast am Ende des Dorfes fanden sie eine Bleibe. Ein altes Mütterchen lud sie ein. Leider wurde in dem Haus gerade geschlachtet, und das mitten im Advent. Das war nicht koscher. Joseph wurde übel. Er weigerte sich, dass Haus zu betreten.

Doch die Bewohner des Hauses waren nette und ehrliche Leute und boten Joseph und Maria einen Platz in der Scheune an. Joseph nahm dankend an. Leider hatten unsere beiden Besucher aber nichts zu essen bei sich. Das Essen der Leute war nicht rein und so hungerten Joseph und Maria. Sie hungerten bis tief in die Nacht und zwar so sehr, dass das Mütterchen durch das laute Magenknurren aus dem Schlaf erwachte.

Das barmherzige Mütterchen gab den Beiden das Lebkuchenhaus der Kinder zu Essen. Diese weinten am nächsten Morgen bitterlich.

Das Finale – der Tag der Volkszählung

An diesem Morgen, es war ein kalter Tag im Dezember 1978, machte sich Joseph auf den Weg nach Schmalkalden zur Volkszählung. Maria blieb in der Scheune liegen. Die Wehen setzten ein.

In Schmalkalden erfuhr Joseph, dass es gar keine Volkszählung gab. Seine Abneigung gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat erreichte seinen Höhepunkt.

Als Joseph wieder zu seiner Maria kam, hatte diese einen kleinen Sohn geboren. Es war das schönste Baby, das die Welt je gesehen hatte, und es lachte so wunderbar. Obwohl das Kind nichts dazu konnte, empfand Joseph keine Liebe zu ihm, weil es nicht sein eigenes war. Er sprach zu Maria: „Ich kann das Kind nicht lieben, aber ich liebe dich. Genauso wenig kann ich diesen Staat lieben. Wir sind hier so nahe an der Grenze, lass uns in den Westen abhauen. Dem Kind wird es hier gut ergehen.“. Und Maria sagte: „Ok.“ Die beiden flüchteten über die innerdeutsche Grenze.

Der kleine Junge blieb zurück. Doch die Familie aus dem Dorf nahm ihn auf und nannte ihn Dombim. Sie zogen ihn groß, aber es ist nichts vernünftiges aus ihm geworden. Schließlich zog er nach Leipzig und veröffentlicht seitdem jeden Sonntag komische Geschichten im Internet. Und Du liest sie 😉

Frohe Weihnachten,
dombim

Nächsten Sonntag gibt es übrigens meinen großen Jahresrückblick 2012. Also bis dann.

PS: Um Missverständnissen vorzubeugen, meine Eltern sind natürlich nicht in abgehauen.

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  1. Weihnachtsgeschichte | dombim.de - [...] Was da noch alles passierte, erzähle ich Dir hier: Meine Weihnachtgeschichte, Teil 2. [...]

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