Meine Weihnachtsgeschichte – Teil 1

Dez 16

Hallo Lässige(r),

Meine Weihnachtsgeschichte

Du kennst ja sicherlich die Weihnachtsgeschichte mit dem Christkind, die Geburt von Jesus. Doch vielleicht ist Dir gar nicht bewusst, dass es noch mehrere solcher Geschichten gibt. Ich will Dir heute eine ähnliche Geschichte erzählen. Eine andere Weihnachtsgeschichte.

Die Geschichte ist so lang, dass ich sie teilen werde. Heute kannst Du den ersten Teil lesen. Den zweiten Teil veröffentliche ich dann nächsten Sonntag, am vierten Advent 2012.

Meine Weihnachtsgeschichte handelt zu tiefsten DDR-Zeiten. Und hier erlebst Du eine Premiere auf meinem Blog. Es ist ausnahmsweise mal keine Geschichte aus meinem wahren Leben.

Leipzig in den 70er Jahren

Aber ich gebe zu, es gibt die ein oder andere Ähnlichkeit. So beginnt die Weihnachtsgeschichte beispielsweise in Leipzig, wo ich heute lebe. Dort lebte damals ein junges Paar. Er hieß Joseph und war ein jüdischer Zimmermann. Sie hieß Maria, war Turnerin und als die hübscheste Frau im Bezirk Leipzig bekannt.

Zu Anfang waren es glückliche Zeiten. Sie liebten sich und die Preise zum Leben waren sozialistisch stabil. Die LVZ (Leipziger Volkszeitung) kostete noch 10 Pfennige, die Flasche Brause 20 Pfennige und der Wartburg 1.3 Tourist 33.775,00 Mark, also zu viel. Aber das war egal, Maria und Joseph wollten eh keinen Wartburg. Kurzum sie waren glücklich.

Doch mit der Zeit wurden die Leute eifersüchtig, beneideten das junge Paar um ihr Glück und legten ihnen den ein oder anderen Stein in den Weg. Bei was auch immer. So dauerte es nicht lange und die Stasi hatte sie auf dem Kieker.

Es kam, wie es kommen musste, und die Stasi wollte den beiden einen Streich spielen. Eines Morgens im Dezember bekam Joseph einen Brief von den Behörden. Darin stand, es gäbe eine Volkszählung und jedermann habe sich unverzüglich mit seinem Weibe in seinen Geburtsort zu begeben.

Die Staatssicherheit drohte in ihrem falschen Schreiben auch mit harten Strafen. Würde Joseph den Anweisungen nicht folgen, würden seine Kinder später nicht in die Pionierorganisation aufgenommen und Maria würde das Anabolika entzogen, welches sie als Spitzensportlerin der DDR so nötig hatte.

Leider war der Zeitpunkt für eine so lange Reise gerade sehr unglücklich, denn Maria war hochschwanger. Wie das passieren konnte, wusste Joseph auch nicht. Er hatte immer aufgepasst und vermutete einen Nebenbuhler. Als er Maria eines Abends zur Rede stellte, gestand sie. Sie behauptete sein Name war Heiliger Geist und es war nur eine kurze Affäre. Danach gab es einen kurzen Streit in dem sogar von Trennung die Rede war. Aber es wendete sich alles zum Guten und die beiden versöhnten sich wieder. Was hatte Joseph auch für eine andere Wahl, er hätte die Unterhaltszahlungen ja doch nicht aufbringen können.

Die Reise beginnt

Doch zurück zur Volkszählung. Joseph und Maria machten sich also an die Reisevorbereitungen. Leider hatten sie noch keinen Trabant. Sie hatten zwar einen bestellt, mussten aber noch 10 Jahre warten. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit ihrem Motorrad, eine MZ ES 150, durch den Schnee zu fahren.

Die Reise war sehr mühsam. Es waren minus 20 Grad und es gab immer wieder Probleme mit dem Gefährt. Es stellte sich an wie ein mürrischer Esel zu biblischen Zeiten.

Übernachtung in Erfurt

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten sie Erfurt. Nach dem Besuch der Synagoge trafen sie auf einen alten Christen mit langem, weißen Haar und Vollbart.

Als Zeichen der Versöhnung zwischen den Religionen bot der Christ dem Paar einen Platz zur Übernachtung an, den Joseph dankend annahm. Auf dem Weg zu seiner Wohnung hatte Joseph das Gefühl, verfolgt und beobachtet zu werden.

Der Gastgeber erzählte viel von seinen Reisen, denn er war schon viel gereist und stammt eigentlich aus Greifswald. Und auch Joseph konnte viel erzählen. Schließlich war er schon zwei Mal an der Ostsee. Und Maria erst; als Leistungssportlerin durfte sie sogar schon mal nach Moskau fahren. Es war ein schöner Abend.

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei dem neuen, christlichen Freund verabschiedeten sich Joseph und Maria. Der alte Mann begleitete die Beiden noch zur Tür und leerte den Briefkasten: „Oh, ein Brief von den Behörden. Ich soll zur Volkszählung – nach Greifswald.“

Ausblick

Bei Maria und Joseph stand nun die letzte Etappe bevor. Sie mussten den Thüringer Wald überqueren um endlich an ihrer Volkszählung in Schmalkalden teilnehmen zu können.

Was da noch alles passierte, erzähle ich Dir hier: Meine Weihnachtgeschichte, Teil 2.

Bis dahin alles Gute,
dombim

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  1. Weihnachten in Schmalkalden | dombim.de - [...] Woche habe ich Dir den ersten Teil meiner Weihnachtsgeschichte erzählt. Heute erfährst Du, wie es weiter [...]

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