200 Jahre Völkerschlacht von Leipzig

Okt 27

Hallo Lässige(r),

Letztes Wochenende jährte sich die Völkerschlacht bei Leipzig zum 200. Mal. Die Schlacht von 1813 war das größte Gemetzel der Weltgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt.

Verschiedene Arten an die Völkerschlacht zu erinnern

Nun gedenken Menschen solchen Ereignissen auf die verschiedensten Arten und Weisen an solche Ereignisse. Die einen lieber ruhig und leise mit Kerze, die anderen lieber laut mit Kanonen und Reiterei. In Markkleeberg bei Leipzig gab es eine historische Gefechtsdarstellung mit allem Pipapo, also die Kanonen-Variante.

Die Veranstaltung ist zugegebenermaßen ein wenig schwierig zu werten. Auf der einen Seite ist es gelebte Geschichte. Auf der anderen Seite kann ich die Kritik derer, die eine solche Veranstaltung als Kriegstreiberei oder Kriegsverherrlichung abstempeln, auch ein wenig nachvollziehen. Zusammen mit meiner Frau war ich trotzdem da.

Schlecht organisierte Veranstaltung

Was ich nicht nachvollziehen konnte, ist allerdings die schlechte Organisation der Veranstaltung.

Das Organisationschaos begann bereits in der Straßenbahn. Wenn sich Mensch Meier dort wie eine Ölsardine vorkam, dann kamen wir uns vor wie eine Sardine in Öl – und Korsett.

Ich glaube, für Rollstuhlfahrer sowie Menschen mit Gehhilfe oder Kinderwagen blieb die Linie 11 der Leipziger Verkehrsbetriebe an diesem Tag Tabuzone.

Nachdem wir uns an der Endstation in Markkleeberg aus der Sardinenbüchse befreien konnten, marschierten wir erwartungsvoll Richtung Schlachtfeld – immer der Masse nach. Doch der Marsch kam nach 200 Metern abrupt zum Stehen. Stau auf allen Wegen. Die nächste Ölsardine.

Stau auf dem Weg zur Völkerschlacht

Stau auf dem Weg zur Völkerschlacht

Wir nahmen es gelassen und reihten uns ein. Was sollten wir auch anderes tun. So warteten wir und warteten weiter. Unser Warten wurde nur durch gelegentlich durchmarschierende Franzosen oder Sanitäter mit kollabierenden Kindern gestört.

Gedränge um das Schlachtfeld

Eineinhalb Stunden später hatten wir die 300 Meter geschafft und standen endlich vor dem Einlass. Nach einer kurzen Kontrolle der Eintrittskarten gingen wir auf das Veranstaltungsgelände.

Dort drängten sich die Menschen an den als Absperrung dienenden Bauzäunen. Die Ölsardine ließ wieder grüßen. Voller Zuversicht gingen wir weiter. Das Gelände war schließlich einige Hektar groß und wir würden schon einen guten Platz finden.

So spazierten wir vorbei an den Markkleeberg Eigenheimen, deren Besitzer Bier durch den Gartenzaun und Sitzplätze auf dem Dachfirst anboten. Ein ganz Pfiffiger hatte eine Hebebühne im Garten aufgebaut – die ganz private VIP-Lounge.

Demotiviert, durstend und hungernd kamen wir langsam in der Mitte des Schlachtfeldes an. Es war Mittagszeit, doch wer Essen und Trinken wollte, musste sich an sehr, sehr langen Warteschlangen anstellen und seine Ellenbogen geschickt einsetzen.

Der Moderator des Völkerschlacht-Spektakels hatte mehr damit zu tun, die vermissten Kinder aufzurufen, sich an die Haupttribüne zu Block E3 zu begeben, als die Ereignisse von 1813 zu moderieren. Seine Kommentare wie „Na, als Sechsjähriger weiß man ja schon, wie ein E und eine 3 aussieht“, fand ich persönlich ein wenig zynisch, wenn man bedenkt, dass ein Kind in diesem Moment wahrscheinlich Todesängste durchstehen muss. Aber woher soll ich das so genau wissen, mein Sohn ist ja erst vier.

Die Situation auf dem Festgelände wurde langsam immer chaotischer. Dabei hatte die Völkerschlacht noch gar nicht angefangen.

Die ersten Mülltonnen quollen über und spätestens jetzt hätten die Schnellmerker der Veranstaltungsleitung merken müssen, dass dieses Spektakel überfüllt ist. Stattdessen kam eine Durchsage, dass die Völkerschlacht 2 Stunden später beginnt, damit die wartenden Gäste alle noch Einlass bekommen.

Gegen 13:00 Uhr, also ca. eine halbe Stunde später, kam eine Ansage, dass die Tageskassen jetzt doch geschlossen werden, weil die Veranstaltung restlos ausverkauft ist. Irgendwann hatten sie es also doch noch geschnallt.

Ein Platz am Bauzaun

Meine Frau und ich hatten mittlerweile unseren Platz am Bauzaun behauptet. Wir schafften es bis in die vierte Reihe. Hinter uns bauten sich zwei weitere Reihen frustrierter Zuschauer auf. Vor uns standen drei Hünen von 1,90 Meter und Schultern wie Footballspielern. Da weder meine Frau noch ich die 1,70 Meter an Körperhöhe erreichen, standen wir wenigstens schön im Schatten.

Gegen 14.00 Uhr begann die Völerschlacht. Die Glücklichen am Bauzaun in der ersten Reihe kommentierten das Geschehen vor uns, so dass wir ungefähr mitbekamen, was in unserer unmittelbaren Umgebung vor sich ging.

Die Völkerschlacht beginnt

Die Schlacht beginnt. Fotoapparat in die Luft heben und einfach draufhalten.

Der Ansager, der wahrscheinlich auch Vater eines sechsjährigen Kindes und direkter Nachfahre von Napoleon Bonaparte ist, kommentierte das Geschehen auf dem ganzen Schlachtfeld in seiner eigenen Art und Weise. Er bedankte sich über das Mikrofon bei dem Jungen, der ihm gerade einen Kaffee servierte, und schlürfte für jeden hörbar genüsslich sein Heißgetränk. Kurz darauf machte er die Ansage, er werde jetzt mal für 20 Minuten still sein, damit das Fernsehen in Ruhe ein paar Szenen drehen kann. Die Masse antwortete mit dem größten Applaus des Tages.

Vor unserer Nase, besser gesagt vor der Nase der Leute in der ersten Reihe, hatte mittlerweile die preußische Artillerie Stellung bezogen und schoss aus vollen Rohren auf die Franzosen. In 1,60 m Höhe, das ist ungefähr da wo meine Nase sitze, roch die Luft nach einer Mischung aus Schießpulver und Axelschweiß. Langsam hatte ich die Nase voll.

Die alliierten Truppen schlagen zurück.

Die alliierten Truppen schlagen zurück.

Kapitulation

Gegen 15.00 Uhr kapitulierte ich dann, schnappte meine Frau und schlenderte langsam mit ihr in Richtung Straßenbahn. Obwohl die historische Schlacht noch zwei Stunden gehen sollte, hatte die Schlacht um die Plätze in der Straßenbahn bereits begonnen. Wir erkämpften uns tapfer einen Platz und ertrugen erneut das Schicksal einer Ölsardine.

Zu Hause angekommen, fragte ich meinen Sohn, ober er weiß, wie E3 aussieht. Er schaute mich verwirrt an. Ich dachte nur „Na ja, was soll’s. Er hat ja noch zwei Jahre Zeit.“.

Beste Grüße,
dombim

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