Schlachten im Advent

Dez 09

Achtung, dieser Artikel ist nichts für Vegetarier, Veganer, Frutarier, Pazifisten und Frauenversteher!

Hallo Lässige(r),

Zeit der Traditionen

wie war Dein 1. Advent? Die Adventszeit ist ja eine besondere Zeit. Die Zeit der Liebe, der Besinnung und die Zeit, in der besonderer Wert auf Traditionen gelegt wird.

Eine besondere Tradition des Bauern ist es, seine geliebten Rindviehcher, die er das ganze Jahr lang gefüttert und gepflegt hat, zu schlachten.

Vielleicht ist diese Tradition ja aus Liebe zum Tier entstanden. Die wenigsten Schweine- und Kuhställe haben keine Fußbodenheizung. Die Tiere haben keine Schuhe und vielleicht will der Bauer sie nicht frieren lassen. Vielleicht essen die Vegetarier dem Bauern im Winter auch die Futterrüben weg und er kann seine Tiere nicht mehr ernähren. Ich weiß es nicht genau.

Jedenfalls verkauft der Bauer nach nach der Tötung der Tiere, diesem Akt der Liebe, das Fleisch an seine Kundschaft im Dorf. Zu diesen Kunden gehören auch meine Eltern. Deren Kunde wiederum ich bin.

Aus diesem Grund verbrachte ich den 1. Advent in meinem Heimatdorf und verarbeitete Teile des Rinds und Teile des Schweins zu verschiedenen Braten und Würsten. Es war mal wieder die Zeit um zu Schlachten.

Der Dorfmetzger

Natürlich schlachten wir nicht alleine. Als Stammleser meines Blogs weißt du, dass ich zwei linke Hände habe. Da ich beim metzgern aber mit scharfen Messern und am gefährlichen Fleischwolf arbeite, hätte ich ohne Anleitung eines erfahrenen Metzgers nach dem Wochenende bestimmt keine Finger mehr.

Unser Dorfmetzger ist also so eine Art Vorarbeiter. Er geht zur Schlachtzeit von Familie zu Familie und führt die eigentliche Hausschlachtung durch. Leute wie ich sind dabei eigentlich nur Handlanger.

Schlachten in der DDR

Der Fleischer unseres Dorfes ist gleichzeitig der Dorfbarde. Er ist schon im Rentenalter und gibt bei der Arbeit Geschichten aus längst vergessenen Zeiten zum Besten, zum Beispiel das Schlachten zu Zeiten der DDR.

Heute ist Schlachten viel unspektakulärer als früher. Früher mangelte es an Blasen für die vielen Würste. Damals durfte der Bauer nur mit einem Schlachtschein metzgern. Den bekam er von der Behörde, wenn er sein Jahresablieferungssoll an Naturalien, eine Art Sozialistenzehnt, erfüllt hatte. Mit diesem Schlachtschein bekam er dann 8 Schweineblasen.

8 Blasen reichten natürlich hinten und vorne nicht. Also wurden Blasen aus dem bösen Westen geschmuggelt. Ein gefährliches Unterfangen, schließlich war die SED-Elite der festen Überzeugung, der Klassenfeind werde die Gelegenheit nutzen und mit den vergifteten, kapitalistischen Schweineblasen die gesamte DDR-Bevölkerung ausmerzen.

Wehe also, man wurde erwischt. Oder wie unser Metzger zu sagen pflegt: „Was glaubst’e denn, was da los war!“.

Mahlzeit!

So, bei mir ist jetzt Mittag und weil ich seit Tagen nur Fleisch gesehen habe, esse ich nun einen schönen großen Salat. An dieser Stelle dürfen die Vegetarier auch wieder mitlesen. Mahlzeit!

Beste Grüße,
dombim

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Eine ähnliche Schilderung habe ich übrigens auch hier gefunden:
http://www.strodehne.de/?Unser_Dorf:Geschichte:Schwarzschlachtung

1 Kommentar

  1. big brother /

    Übrigens, die oben genannten Blasen sind die Harnblasen des Schweins, in welche die Blutwurst gefüllt wird. Eine solche Blutwurst schneide ich jetzt an. Mahlzeit!

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  1. Weihnachten in Schmalkalden | dombim.de - [...] Dorfes fanden sie eine Bleibe. Ein altes Mütterchen lud sie ein. Leider wurde in dem Haus gerade geschlachtet, und…
  2. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2014! - […] Schlachten im Advent […]

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