Passierschein A38

Mai 11

Meine Kurzgeschichte zum Passierschein A-38

Passierschein A38 – ich werde verrückt!

Colt Seavers und Asterix

Hallo Lässiger,

als ich ein Kind war, damals in den 80-er Jahren, schauten wir immer heimlich Westfernsehen. Eigentlich machte das jeder und alle wussten es. Nur darüber reden tat keiner, zumindest kein Erwachsener.

Doch zweimal im Jahr – immer dann, wenn meine Klassenlehrerin zum Hausbesuch kam – erhielt ich offizielle Order meiner Eltern, ja kein Westfernsehen zu schauen.

Aber das war nicht so einfach. Die Lehrerin kam immer am frühen Abend, immer genau dann, wenn auf ZDF Lee Majors als Ein Colt für alle Fälle das Böse mit tollen Stunts bekämpfte, dabei Autos zu Schrott fuhr und Kinderaugen zum Leuten brachte. Und da wir unserer Klassenlehrer eh jeden Tag berichteten, was bei Colt so alles passiert war, schien mir das Westfernseh-Verbot also unlogisch.

Eine andere, tolle Sache aus dem Westfernsehen war Asterix. Dieser kleine Wicht war einfach super. Er hatte ungefähr meine Körpergröße und war schlau wie ein Fuchs.

An eine Folge erinnere ich mich besonders gut: Asterix erobert Rom . Das war der Teil mit dem Passierschein A38.


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Asterix ist für die Gallier so etwas wie Herkules für die Römer. Die Geschichte dieser Folge ist daher ähnlich gestrickt: Asterix und sein Spezi Obelix müssen 12 Aufgaben erfüllen. Danach erkennt Cäsar die Göttlichkeit der Gallier an, macht sie zu den Herrschern von Rom und geht mit seiner hübschen Kleopatra in Rente.

Passierschein A38

Die achte der 12 Prüfungen der Gallier ist die Prüfung mit dem Passierschein A38. Dabei sollen Asterix und Obelix den besagten Passierschein aus einer bestimmten Präfektur holen, also aus einem römischen Bürgeramt.

Doch bei der Präfektur handelt es sich um das Haus, das verrückt macht. Für die beiden gallischen Helden Asterix und Obelix beginnt auf der Suche nach Passierschein A38 eine bürokratische Irrfahrt. Immer wieder werden Sie von einer Behörde zur nächsten geschickt und kommen so dem Wahnsinn nahe.

Verrückt wegen Passierschein A38

Passierschein A38 führt in die Irre

Der Fahrzeugschein in Leipzig

Letztens habe ich ein neues Motorrad gekauft. Danach ging ich ins Technische Rathaus von Leipzig, um es anzumelden.

Das Leipziger Rathaus kam mir vor wie die verrückt machende Präfektur. Und ich kam mir vor wie Asterix, der seinen Passierschein bekommen wollte.

Zuerst ging ich in einen großen Warteraum. Dort teilte ich der netten Empfangsdame mein Anliegen mit.

Erste Hürde: IBAN

Die nette Dame gab mir ein erstes Formular zum Ausfüllen. Neben mir stand ein Rentner, ebenfalls mit einem Formular, und fragte die Dame, wieso er die IBAN-Nummer eintragen solle. Seine Kontodaten wären doch noch aktuell und er hat IBAN und BIC nicht im Kopf.

Die Frau sagte trocken, dies wäre jetzt Pflicht und ohne diese Nummern würde er erst gar nicht aufgerufen. Der Rentner fluchte, schimpfte und wurde verrückt. Passierschein A38 – erstes Opfer.

Ich kannte meine IBAN natürlich auch nicht. Mein Ausweg war mein Smartphone und das Internet. Ich recherchierte, fand und füllte das Formular aus. Erste Hürde überwunden.

Zweite Hürde: der Sprint

Danach musst ich eine Nummer ziehen, mich setzen und auf eine große Tafel starren, bis meine Nummer zu sehen war. Irgendwann, nach schier unendlicher Zeit, erschien diese dann auch. Dahinter eine weitere Nummer – eine Zimmernummer.

Nun hatte ich circa 60 Sekunden Zeit, dieses Zimmer im Rathaus zu finden. Dabei handelt es sich bei dem Zimmer natürlich nicht um den Raum direkt nebenan, das wäre ja zu einfach. Das Zimmer ist auch nicht zwingend in der selben Etage, auch das wäre zu einfach.

Ich rannte also wie ein 100 Meter Sprinter aus Jamaika zu Olympia durch die Flure der Präfektur. Meine Augen scannten im vorbeifliegen die Zimmernummern und der Schweiß tropfte mir aufs Hemd.

Als ich den Raum erreichte, öffnete ich die Tür und stand mitten in einem Großraumbüro. Nach kurzer Orientierungslosigkeit fand ich auch den Schalter, an dem mein Anliegen bearbeitet werden sollte.

Doch da saß schon eine andere Person. Umsonst gesprintet. Olympianorm nicht geschafft.

Dritte Hürde: der Kassenautomat

Aber es gab ja auch hier Warteplätze. Also wartete ich, schon wieder.

Als mein Vorgänger den Platz beim Sachbearbeiter räumte, huschte ich im Sauseschritt auf den Stuhl. Ziel erreicht? Denkste!

Der Sachbearbeiter fragte mich, was ich wollte. Ich übergab ihn den für die deutsche Bürokratie üblichen Stapel an Dokumenten. Er begann im Zwei-Finger-Suchsystem gemächlich auf seiner Tastatur zu klimpern.

Nach fünf Minuten und zwei Zeilen auf der Tastatur übergab er mir eine Plastikkarte. Mit dieser sollte ich zum Kassenautomaten um zu bezahlen, dann aus dem Rathaus raus, mir mein Nummernschild besorgen und schließlich wieder kommen. Wenn möglich bevor er Feierabend macht.

„Der Kassenautomat befindet sich die Türe raus, dann rechts und im zweiten Gang wieder links.“

Ich ging also die Tür raus, dann nach rechts und im zweiten Gang wieder nach links. Jetzt stand ich vor einer weißen Wand. Keine Automat weit und breit.

Ich suchte also alle Gänge des Rathauses ab, bis ich endlich einen Kassenautomat fand. Vor mir stand ein fluchender Rentner. Er drückte sämtliche Tasten des Automaten. Sein Kopf wurde immer röter und schließlich sprang er einfach so aus dem Fenster.

Ich legte meine Plasikkarte in den Automaten, studierte fünf Minuten die Anleitung, bezahlte und erhielt eine Quittung.

Letzte Etappe zu meinem Passierschein

Mit der Quittung ging ich aus dem Rathaus und suchte mir in der Umgebung einen kleinen Laden, um mein Nummernschild zu drucken. Anschließend ging ich zurück.

Mein Sachbearbeiter war natürlich wieder besetzt. Ich wartete also bis er mit seinem Zwei-Finger-Suchsystem die Tastatur zu Ende vergewaltigt hatte und wieder frei war.

Ich setzte mich erneut. Wartete und schlief dabei ein. Irgendwann weckte mich der Sachbearbeiter, es war Feierabend. Er übergab mir meinen Fahrzeugschein und wir verließen beide glücklich das Rathaus. Er, weil er Feierabend hatte, und ich, weil ich meinen Fahrzeugschein, meinen Passierschein A38, in den Händen hielt und nicht verrückter war als vorher.

Grüße,
dombim

Der Fahrzeugschein ist für mich der Passierschein A38 von Asterix

Passierschein A38 für mein Motorrad

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1 Kommentar

  1. Schöne Einleitung. Ich bin wohl nicht alt genug, um etwas vom Westfernsehen je mitbekommen zu haben. 😀

    Und gratuliere zum Passierschein!

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