Christlich- Sozialistische Empfängnis

Aug 18

Hallo Lässige(r),

ich mag Wladimir Kaminer. Aus diesem Grund möchte ich Dir heute ein Buch von ihm empfehlen. Wladimir schreibt wie ich Kurzgeschichten, nur besser als wie ich.

Das erkennst Du an der Formulierung „als wie“, die ich eben verwendete. Ich konnte mich einfach nicht zwischen als und wie entscheiden. Also benutzte ich beide. Wladimir würde so etwas nicht passieren, er hätte den Satz gleich ganz gestrichen.

Und wenn er dann doch einmal über eine Feinheit der Deutschen Sprache stolpert, ist das nicht so schlimm. Er ist schließlich Russe und somit kein Muttersprachler.

Dass er Russe ist erklärt auch, weshalb niedergeschriebene Erinnerungen bei ihm oft in der Sowjetunion handeln.

Ein Buch, welches solche Erinnerungen enthält, ist sein Werk Es gab keinen Sex im Sozialismus: Legenden und Missverständnisse des vorigen Jahrhunderts. Am Anfang war ich etwas skeptisch wegen des Titels. Sollte diese These stimmen, hätten mich meine Eltern nicht auf die traditionelle Art gezeugt sondern irgendwie anders.

Ich erinnere mich, dass es zu DDR-Zeiten zwei Typen von Menschen gab: die Christen und die Sozialisten. Als ich darüber nachdachte, kam ich auf meine Theorie der christlich-sozialistischen Empfängnis.

Die Christen waren die Verlierer und Außenseiter im Sozialismus. Aber sie gingen immer brav in die Kirche und beteten. Deshalb waren sie 1990 dann doch die Gewinner.

Bei den Sozialisten waren die Eltern in der Partei und die Kinder durften kein Westfernsehen sehen. Sie waren somit auch Verlierer. Dies ist das entscheidende Merkmal des DDR-Sozialismus: Es gab eine Lose – Lose – Situation, bei der am Ende immer und nach der Wende endgültig der Westen gewonnen hatte.

Bei der Empfängnis gab es ebenfalls eine Lose – Lose – Situation. Den Christinnen erging es wie Maria und die Sozialistinnen wurden bei der Übergabe des Parteibuches schwanger. Egal wie, die DDR – Frauen wurden immer dick ohne dass die DDR – Männer ihren Spaß hatten: Lose – Lose.

Nur bei der Sache mit sozialistischen Geschwisterkindern hat meine Theorie noch eine kleine Schwachstelle. Aber die werde ich auch noch schließen. Vielleicht sollte ich mal Wladimir Kaminer fragen, er kennt sich ja bestens aus mit den „Legenden und Missverständnissen des vorigen Jahrhunderts“.

Wirf einfach mal einen Blick in sein Buch:
Es gab keinen Sex im Sozialismus: Legenden und Missverständnisse des vorigen Jahrhunderts

Beste Grüße,
dombim


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