Was Wayne Rooney mit einem Ritter des Mittelalters gemeinsam hat

Apr 26


Werbung*

Hallo Lässige(r),

meine Gedanken kreisen gerade durch die Zeit zwischen dem 4. und dem 14. Jahruhundert, ich bin gefangen im Mittelalter.

Und da ich schon einmal dort bin, will ich Dir aus diese Zeit ein wenig berichten. Und wenn Du glaubst, das Mittelalter war eine romantische Zeit, dann lies den Text bitte bis zum Schluss.

Zudem erfährst Du verrückte Dinge, die Du garantiert noch nicht gewusst und die Du in der Schule so nie gelernt hast!

Ich bin von dieser verrückten Zeit so vereinnahmt, dass ich einen Doppelartikel über das Mittelalter geschrieben habe.

Letzte Woche veröffentlichte ich den erste Teil, in dem Du erfahren kannst, warum das Mittelalter in Dippoldiswalde beginnt und dass England von Franzosen regiert wurde, die eigentlich Wikinger waren.

Heute kannst Du den zweiten Teil lesen und Du wirst unter anderem erfahren, was die Leiche eines englischen Ritters aus dem 14. Jahrhundert mit dem Fußballstar Wayne Rooney gemeinsam hat.

Das Ständesystem des Mittelalters

In der Schule hast Du das Ständesystem des Mittelalters gelernt, auch wenn Du davon heute nichts mehr weißt. Das Ständesystem der Schule bestand aus dem Adel, der Geistlichkeit und den Bauern.

Mir ist das zu oberflächlich. Wenn ich es mir recht überlege, gab es noch mehr Stände. Meine Vorstellung der Stände ist in etwa so aufgebaut: Hochadel, Geistlichkeit, Ritter und niedriger Adel, Handwerker, Huren und Bauern.

Der Hochadel war die Elite der Elite. Diese feinen Herren beschäftigten sich mit dem großen Ganzen, mit Politik. Die Politik bestand meist aus großen und kleinen Festen, bei denen viel Wein getrunken und die Magd begrabscht wurde.

Die Geistlichen beteten und tranken Wein. Wenn ein Geistlicher nicht von adliger Herkunft war, musste er das Weintrinken gegen Arbeiten eintauschen – Ora et labora.

Durch die Entwicklung der Städte schritt die Spezialisierung im Handwerk voran. Neue Berufe entstanden, ohne die die Welt nicht mehr vorstellbar gewesen wäre: Elfenbeinschnitzer, Goldschmied und Seidenweberin.

Dazu blühte eine jahrhundertealte Dienstleistung neu auf: die des horizontalen Gewerbes. Während des ersten Kreuzzuges im 11. Jahrhundert sollen dem französischem Heer über 1000 Huren gefolgt sein und in den Städten entstanden Badestuben, die als heimliche Bordelle galten – und es wahrscheinlich auch waren.[1]

Nur bei den Bauern blieb alles beim Alten. Sie verrichteten schwere körperliche Arbeit und hatten zu kämpfen, den Winter zu überstehen. Die Hure konnte noch hoffen, von einem wohlhabenden Freier geehelicht zu werden, wofür diesem dann vom Papst alle Sünden vergeben wurde.[1] Der Bauer aber war die ärmste Sau im Mittelalter.

Doch was machten eigentlich die Ritter? Lese weiter und Du wirst es erfahren.

Ein Ritter aus dem Mittelalter

Der Ritterstand

Was heute in Deutschland die Ingenieure sind, waren vor 1000 Jahren die Ritter: das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft!

Du musst wissen, früher ging Wirtschaft noch anders. Waren- und Finanzflüsse wurden weniger durch Handel und Korruption als vielmehr durch Krieg und Beute geschaffen.

Ähnlich kriegerisch war die Übernahme wichtiger Innovationen wie dem Steigbügel oder den arabischen Zahlen. Das Motto lautete: Lernen durch Schmerz.

Schauen wir uns nun einen typischen Ritter näher an.

Sir John de Strickeley, Ritter aus Leidenschaft

Ich erzähle Dir jetzt die Geschichte von Ritter Sir John de Strickeley; einem wahrhaftigen Kämpfer.[2][3]

John war ein englischer Ritter, der zur Zeit des Schottischen Unabhängigkeitskrieges (1296 bis 1357) lebte und kämpfte. Er starb 1341 mit gerade einmal Mitte zwanzig.

Und nun ja, das Leben eines Ritters war kein Ponnyhof. Bevor John wirklich ins Gras biss, verlor er nachweislich mehrere Zähne, und überlebte einen Axthieb, der eine riesige Delle in seinen Schädel hinterließ.

Als die Schotten dann Sterling angriffen, erlitt er eine tödliche Verletzung durch einen Pfeil. Ja, ja, die Schotten.

Ein schottisches CSI Team der Universität Dundee hat sich seinen Schädel genauer betrachtet und rekonstruiert.

Und nun kommt die eigentliche Überraschung: Sir John sah aus wie Wayne Rooney!

Also vergiss endlich die romantischen Träumereien vom Mittelalter. Es war nicht romantisch, es war Wayne Rooney!

Quellen und Links

[1] Sontheimer, Michael: „Die Außenseiter“ in DER SPIEGEL Geschichte, S.107, SPIEGEL Verlag, Januar 2015
[2] Thadeusz, Frank: „Ritter Gnadenlos“ in „Die Staufer und ihre Zeit, Leben im Hochmittelalter“, S.193 ff., Deutsche Verlags-Anstalt, München, 1. Auflage 2010
[3] www.dailymail.co.uk/news/article-1279306/Face-mystery-medieval-knight-finally-revealed-modern-day-CSI-skills.html, Abruf: 13.04.2015


Keine Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Das Mittelalter beginnt in Dippoldiswalde - […] Nächste Woche geht die Reise dann weiter zu einem englischen Ritter, der an Wayne Rooney erinnert. […]

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *