Die Wikingerburg Fyrkat – von Walhalla aus ein ganz besonderer Anblick

Dez 13

Hallo Lässige(r), Wikingerland Dänemark unseren Sommerurlaub verbrachten wir dieses Jahr in Dänemark. Dänemark ist Wikingerland. Die Wikinger waren ein sonderbares Volk. Sie glaubten an verschiedene Götter, die zu einer Rasse besonderer Wesen gehörten. Die Götter waren halb Riesen, halb Götter und sie waren sterblich. Nirgendwo anders auf der Welt sind die Götter sterblich; gerade deswegen sind sie ja Götter geworden: sie wollen nicht sterben. Wer sterben will bleibt Mensch. Und kaum ein Volk hatte es mit dem Sterben so eilig wie die Wikinger. Das höchste Ziel eines Wikingers war es, möglichst jung im Kampf gegen das Böse zu fallen. Wer an Altersgebrechen oder Krankheit starb, wurde als feige betrachtet und durfte nicht in Walhalla, die Halle der auserwählten Erschlagenen, einziehen. *Werbung Die Wikingerburg Fyrkat bei Hobro Um diese sonderbaren Wikinger besser zu verstehen, fuhren wir nach Hobro. Hobro ist eine kleine Stadt auf Jütland, die über einen Fjord mit der Ostsee verbunden ist. Aufgrund dieser Lage war sie für die – am liebsten früh sterbenden – Wikinger von strategischer Bedeutung. Um das Jahr 980 baute König Harald Blauzahn hier die Wikingerburg Fyrkat. Fyrkat war eine Ringburg. Alle Straßen und Häuser waren symmetrisch angeordnet. Wenn die toten Wikinger von Walhalla auf Fyrkat geblickt haben, muss es für sie wie eine riesige Torte ausgesehen haben. Die Wikinger lebten hier mit ihren Sippen in großen Langhäusern, für die laut Wikipedia bis zu 66 große Eichen gefällt werden mussten. Wikipedia weiß aber auch, dass die Festung nicht lange genutzt wurde. Sie brannte schon nach kurzer Zeit ab. Eichenholz brennt halt gut. Das Wikingerdorf Gut ein Kilometer entfernt von Fyrkat liegt ein Wikingerhof, der zum Museum gehört. Hier backten wir gemeinsam mit unseren Kindern Wikingerbrot und zogen uns lustige Wikingerkleider an. Anschließend machten wir den Wikingerspielplatz unsicher. Wir tobten, lachten und spielten. Ich glaube, hätten uns die alten Wikinger von Walhalla aus zu gesehen, hätten sie erkannt, dass das Leben mehr zu bieten hat als nur zu Kämpfen und früh zu sterben. Beste Grüße, dombim der...

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Warum Sachsen immer noch einen König hat und wie die Wettiner im Mittelalter eine Familiendynastie aufbauten

Mai 31

Werbung* König Stanislaw und seine Wettiner Vorgänger Hallo Lässige(r), ich sitze vorm Fernseher und sehe mir die lokalen Nachrichten an. Es spricht unser Ministerpräsident Stanislaw Tillich. In unserer Familie nennen wir ihn nur König Stanislaw – so wie die beiden Ministerpräsidenten vor ihm auch: König Georg und König Kurt. Vor über 100 Jahren gab es schon mal einen König Georg. 1902 bis 1904 war das. Sachsen war früher ein Königreich. Auch wenn heute Ministerpräsidenten regieren – einmal Königreich, immer Königreich. Im Mittelalter gab es in Sachsen noch keine Könige. Damals herrschte in Thüringen, Sachsen und großen Teilen von Sachsen-Anhalt eine Familiendynastie: die Wettiner. Herrschaftliche Familiennamen Ich finde, Wettin ist ein sonderbarer Familienname. Andere Nachnamen haben eine Bedeutung, klingen logisch und machen Sinn. Obwohl ich nie ein Mädchen war, heiße ich mit Mädchennamen Müller. Wahrscheinlich, weil meine Vorfahren von Beruf Müller waren. Genau kann ich das natürlich nicht sagen und wenn es bei Ahnenforschung nur nach Familiennamen ginge, müsste in Deutschland fünfzig Prozent der Bevölkerung Müller als Vorfahren haben. Ein Freund sagte mal zu mir: „In Deutschland ist Müller kein Name sondern ein Sammelbegriff.“ Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr glaube ich, dass er Recht hat . Wie dem auch sei, die Wettiner können nicht auf einen Beruf als Ursprung ihres Namens zurück greifen. Bei mittelalterlichen Herrscher-Dynastien erinnern die Familiennamen oft an einen berühmten Ahnen. Bei den Karolingern an Karl den Großen, bei den Ottonen an Otto dem Großen. Aber auch in dieses Schema passt der Name Wettin nicht rein. Einen Wettin den Großen hat es nämlich nie gegeben. Die Wettiner verdanken ihren Namen vielmehr einer Burg, die sie sich Anfang des 11. Jahrhunderts unter den Nagel gerissen hatten: und zwar der Burg Wettin, nordöstlich von Halle an der Saale, im heutigen Sachsen-Anhalt gelegen. Doch wie kamen die Wettiner zu ihrer Burg? Mittelalterliche Politik und wie die Wettiner dadurch zu ihrer Burg kamen Als die Wettiner noch keine Wettiner waren, hatten sie keinen Nachnamen, nur Vornamen mit lateinische Nummern. In ihrer Ahnenreihe findet sich beispielsweise ein Dietrich I. Wahrscheinlich war Dietrich der Sohn eines schwäbischen Herzogs und einer Frau aus einem Harzer Adelsgeschlecht. Aber so ganz genau weiß das heute keiner mehr. Die, die es wissen könnten, sind längst...

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Gräfin Cosel und die After-Birne

Mai 17

Die Burg Stolpen Hallo Lässige(r), was macht man im Urlaub? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es gibt zwei Arten von Menschen. Die Menschen der ersten Art machen im Urlaub nichts. Die Menschen der zweiten Art reisen im Urlaub umher, schauen sich Sehenswürdigkeiten an und staunen dabei nicht schlecht. Ich gehöre zur zweiten Art. Im letzten Urlaub staunte ich nicht schlecht über die Burg Stolpen. Sie liegt in Sachsen, hat eine bewegte Geschichte, eine Mätresse des Königs und eine After-Birne. Ich erzähle Dir zuerst über die Geschichte. Die Geschichte der Burg Stolpen im Zeitraffer Die Burg begann ihre Laufbahn als Nebenresidenz der Meißner Bischöfe. August, der Kurfürst von Sachsen, riss sich die Burg Stolpen im 16. Jahrhundert unter den Nagel. Grund war eine Fehde, also ein Privatkrieg zwischen seinem Stallmeister und dem Meißner Bischof. Als oberste Instanz des Fürstentums musste der Kurfürst die Fehde schlichten. Schon damals galt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall der Kurfürst. Zur Strafe für die Zankerei musste der Meißner Bischof Stolpen an ihn abtreten. August baute die Burg gleich mal in ein hübsches Renaissanceschlösschen um, nutzte es als Jagdschloss und ließ es sich gut ergehen. Dann kam der 30-jährige Krieg. Diesen hat das Schloss trotz Belagerung gut überstanden und wurde anschließend, ab 1675, zur Festung umgebaut. Fast 100 Jahre später, 1756, war es dann vorbei mit der Herrlichkeit. Der Stolpener Kommandant war das erste Blutopfer des siebenjährigen Krieges. Das war aber weniger dramatisch als es sich anhört. Im Prinzip befand sich die sächsische Besatzung im Dämmerzustand, als die Preußen überraschend und vorerst ohne Blutvergießen die Burg einnahmen. Mit vorgehaltener Waffe forderten die Angreifer den Kommandanten auf, die Festung zu übergeben. Dabei löste sich aus Versehen ein Schuss und der Kommandant wurde am Arm verletzt – so zumindest wird die Geschichte den Touristen auf der Burg verkauft. Wie „aus Versehen“ im Bezug auf eine kriegerische Auseinandersetzung zu interpretieren ist, überlasse ich dabei jedem selbst. Danach ist die Burg allmählich in sich zerfallen. Nach der Wende nahm sich der neu gegründete Freistaat Sachsen der Burg an, eröffnete ein Museum und präsentiert die Ruine nun seinem Volk, also uns. Die Burg hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Das...

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Was Wayne Rooney mit einem Ritter des Mittelalters gemeinsam hat

Apr 26

Werbung* Hallo Lässige(r), meine Gedanken kreisen gerade durch die Zeit zwischen dem 4. und dem 14. Jahruhundert, ich bin gefangen im Mittelalter. Und da ich schon einmal dort bin, will ich Dir aus diese Zeit ein wenig berichten. Und wenn Du glaubst, das Mittelalter war eine romantische Zeit, dann lies den Text bitte bis zum Schluss. Zudem erfährst Du verrückte Dinge, die Du garantiert noch nicht gewusst und die Du in der Schule so nie gelernt hast! Ich bin von dieser verrückten Zeit so vereinnahmt, dass ich einen Doppelartikel über das Mittelalter geschrieben habe. Letzte Woche veröffentlichte ich den erste Teil, in dem Du erfahren kannst, warum das Mittelalter in Dippoldiswalde beginnt und dass England von Franzosen regiert wurde, die eigentlich Wikinger waren. Heute kannst Du den zweiten Teil lesen und Du wirst unter anderem erfahren, was die Leiche eines englischen Ritters aus dem 14. Jahrhundert mit dem Fußballstar Wayne Rooney gemeinsam hat. Das Ständesystem des Mittelalters In der Schule hast Du das Ständesystem des Mittelalters gelernt, auch wenn Du davon heute nichts mehr weißt. Das Ständesystem der Schule bestand aus dem Adel, der Geistlichkeit und den Bauern. Mir ist das zu oberflächlich. Wenn ich es mir recht überlege, gab es noch mehr Stände. Meine Vorstellung der Stände ist in etwa so aufgebaut: Hochadel, Geistlichkeit, Ritter und niedriger Adel, Handwerker, Huren und Bauern. Der Hochadel war die Elite der Elite. Diese feinen Herren beschäftigten sich mit dem großen Ganzen, mit Politik. Die Politik bestand meist aus großen und kleinen Festen, bei denen viel Wein getrunken und die Magd begrabscht wurde. Die Geistlichen beteten und tranken Wein. Wenn ein Geistlicher nicht von adliger Herkunft war, musste er das Weintrinken gegen Arbeiten eintauschen – Ora et labora. Durch die Entwicklung der Städte schritt die Spezialisierung im Handwerk voran. Neue Berufe entstanden, ohne die die Welt nicht mehr vorstellbar gewesen wäre: Elfenbeinschnitzer, Goldschmied und Seidenweberin. Dazu blühte eine jahrhundertealte Dienstleistung neu auf: die des horizontalen Gewerbes. Während des ersten Kreuzzuges im 11. Jahrhundert sollen dem französischem Heer über 1000 Huren gefolgt sein und in den Städten entstanden Badestuben, die als heimliche Bordelle galten – und es wahrscheinlich auch waren.[1] Nur bei den Bauern blieb alles beim Alten. Sie verrichteten schwere körperliche Arbeit...

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Das Mittelalter beginnt in Dippoldiswalde

Apr 19

Werbung* Hallo Lässige(r), ich hatte es angekündigt: Dieses Jahr begebe ich mich thematisch auf eine Reise tief ins Mittelalter! Wenn Du mit mir kommst, lernst Du viele kuriose Dinge. Versprochen! Da die Reise zurück ins Mittelalter mehrere Jahrhunderte dauert, was im hektischen 21. Jahrhundert ziemlich lange ist, habe ich sie in zwei Artikel aufgeteilt. Heute startet die Reise. Sie führt uns von Dippoldiswalde über Jerusalem bis in die Mongolei. Nächste Woche geht die Reise dann weiter zu einem englischen Ritter, der an Wayne Rooney erinnert. Doch zu einer erfolgreichen Reise gehört erst einmal eine gründliche Vorbereitung! Vorbereitung auf die Zeitreise ins Mittelalter Damit ich fachlich gut auf das Mittelalter eingestimmt bin, habe ich mein Schulwissen durch die Literatur zweier Fachbüchern aufgefrischt und bereichert. Zum Einen handelt es sich dabei um das Spielgel-Sonderheft „Die Menschen im Mittelalter“. Und zum Anderen um das Buch „Die Staufer und ihre Zeit: Leben im Hochmittelalter“. Soviel kann ich durch das Lesen dieser beiden Werke schon mal vorweg nehmen: Das Mittelalter war nicht dunkel, sonder bunt und von unglaublicher Weisheit! Was in den beiden Werken für verrückte Sachen drin stehen, wirst Du kaum glauben! Das Mittelalter beginnt in Dippoldiswalde „Der Weg ins Mittelalter führt über einen Parkplatz am Rande der sächsischen Kleinstadt Dippoldiswalde, vorbei an einem Dixi-Klo.“ [1] Als ich das las, war das für mich eine riesige Überraschung! Eigentlich meint der Autor, dass es dort in einen mittelalterlichen Stollen geht. Dennoch assoziierte ich Dippoldiswalde noch nie mit dem Mittelalter. Doch schnell lernte ich, dass geografisch das so genannte dunkle Mittelalter bunt durcheinander gemischt war. Auf Sizilien lebten beispielsweise Wikinger. In England herrschten Franzosen die aber keine wirklichen Franzosen, sondern ebenfalls Wikinger waren. Der Norden von Frankreich war englisch, weil da die Franzosen herkamen, denen England gehörte und die gar keine richtigen Franzosen sondern Wikinger waren. In Italien herrschte der Deutsche Kaiser Friedrich II (1194 bis 1250), der gleichzeitig König von Jerusalem war. In Osteuropa begann die Mongolei und Amerika gab es noch gar nicht. Kaum zu glauben, oder? Aber an was glaubten die Leute im Mittelalter eigentlich? Ich erkläre es Dir im nächsten Abschnitt. Kaum zu Glauben Glauben und Religion spielten im Mittelalter eine sehr wichtige Rolle, egal ob Du Bergmann in Dippoldiswalde oder...

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